Trojer Karl

Lust auf Leben und Gemeinschaft
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Friedenssicherung

Konzeptentwurf
für eine
Fakultät für

KONFLIKTBEWÄLTIGUNG
und
FRIEDENSSICHERUNG

an der
Freien Universität Bozen

1. ALLGEMEINES
Thesen:
*Frieden ist die vorrangige Voraussetzung für gesunde, kreative Entwicklung menschlicher Gemeinschaft und ermöglicht die naturgegebene Entfaltung der Ökosysteme. Vieles weist darauf hin, dass die Menschheit vor einem friedensorientierten Paradigmenwechsel steht, der das Überleben ihrer selbst und der Natur ermöglichen kann und ohne den Zerstörung wahrscheinlich ist.
*Das Thema Friedenssicherung, das eng mit dem Thema der Konfliktbewältigung zusammenhängt, kann zielführend nur bereichsübergreifend, im konstanten und aktuellen Dialog zwischen Wissenschaften, Religionen und Gesellschaften, angegangen werden.
Es gibt bereits eine Vielzahl von Initiativen, Instituten, Organisationen, die sich mit Ursachen, Prozessen, Bewältigung von Konflikten befassen, bzw. die sich Friedensforschung zur Aufgabe gestellt haben.
Dem Verfasser ist nicht bekannt, dass es in der EU eine universitäre oder post-universitäre Einrichtung gibt, welche die miteinander verwobenen, und damit interdependenten Themen der Konfliktbewältigung und der Friedenssicherung
* interdisziplinär,
* interaktiv,
* Universitäts- u. Länder – übergreifend,
* mit direkter, unbeschränkter Einbindung von internen und externen
Professoren, Dozenten und Studenten bzw. Politikern, Bürgern und
Organisationen,
* vielsprachig zugänglich und mehrsprachig aufbereitet
bearbeitet.
Südtirol, würde sich ob seiner interethnischen, interkulturellen Realität und seiner dreisprachigen Freien Universität sehr dafür eignen, eine solche universitäre Einrichtung zu verwirklichen. Eine Konkurrenz zu den Universitäten von Innsbruck oder Trient ergäbe sich dabei nicht.
Die zum Thema bereits bestehenden Aktivitäten in Südtirol ( bei der EURAC ecc.) sollten, frei von Konkurrenzdenken, einbezogen werden können.
Hauptthema einer solchen Fakultät wäre die Art und Weise künftiger Konfliktbewältigung, welche lokale und globale Friedenssicherung systemisch analysiert, fördert und zur Umsetzung beiträgt.
Dabei ist an eine interdisziplinäre, interkulturelle, interethnische Arbeitsweise gedacht, die alle sozialen Ebenen gleichzeitig, kontinuierlich und interaktiv involviert.
Im akademischen Bereich wären möglichst viele internen und externen universitären Fakultäten anzusprechen und zur Mitarbeit einzuladen:
• die Geisteswissenschaften,
• die Religionswissenschaften,
• die Naturwissenschaften einschließlich der Ökologie, der Technik und der Medizin,
• die Ökonomie,
• die Rechtswissenschaften,
• die Künste.
Das Geschehen und die Hintergründe aktueller Krisenregionen wären einzubeziehen und modellhaft Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
Angeboten werden soll ein Studiengang, mit dem Ziel,
• geisteswissenschaftliche Erkenntnisse,
• spirituelle Hintergründe,
• ökonomische Systemvarianten,
• Rechtsbezüge,
• Wissen über technischen Fortschritt,
• kreative Einflüsse der Künste
und der daraus resultierende Konditionierungen, den Umgang mit Ressourcen und mit Abdeckung von Bedürfnissen bei Individuen bzw. Gesellschaften systemisch zu verknüpfen, Informationssysteme und Kommunikationswege miteinander kreativ zu vernetzen und zu integrieren.
Dieser Studiengang könnte zu einem akademischen Abschluß führen oder als Post-Laureat–Studium zu gängigen Universitätsabschlüssen verstanden werden.
Zielgruppen dieser universitären Ausbildung / Weiterbildung könnten sein:
* (künftige) PolitikerInnen und Parteikader
* (künftige) Führungskräfte von größeren Organisationen
* (künftige) Team-Mitglieder von Unternehmen
* (künftige) EntwicklungshelferInnen
* (künftige) Aus-u.WeiterbildnerInnen
……………………………………………………….
……………………………………………………….

2. VORGEHENSWEISE
Zu diesem Zwecke könnte an der Freien Universität Bozen eine Plattform vom Rang einer Fakultät errichtet werden, der ein autonomer, regelkreisartiger Entwicklungsrahmen zuerkannt wird.
Diese Plattform würde einerseits aus einer Humanstruktur und andererseits aus einer Infrastruktur u. virtuellen Struktur für Information und Kommunikation bestehen.
Die Humanstruktur hat Stabsfunktion, iniziert, organisiert, koordiniert, informiert, veranstaltet, übersetzt, entwickelt, sorgt für Wartung und Instandhaltung und sichert die kontinuierliche Weiterentwicklung des Projektes.
Die virtuelle Struktur funktioniert wie eine Art offene Enzyklopädie, die den konstanten, offenen Dialog, den Informationsfluß zu und die Kommunikation zwischen den Akteuren technisch, praktisch ermöglicht.
Sie verfügt über den neuesten Stand der dafür erforderlichen Informationstechnik und Informatik (Hardware und Software).
Den Akteuren :
* Universitätsprofessoren- u. Dozenten,
* Studenten,
* Politikern, Bürgern und Organisationen
stehen interaktive Internet-Plattformen in folgenden Sprachen zur Verfügung:
Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Hindi, Chinesisch .
Ein Projekt-Team filtert zusammen mit den entsprechenden Übersetzern aus den in den vorgenannten Sprachen eingehenden Beiträgen die qualifiziertesten und interessantesten heraus, fasst sie zusammen, und stellt sie den Akteuren wieder in deutscher, italienischer, englischer und …… Sprache zur Verfügung. Dabei sollen die eingehenden Beiträge zumindest eine der folgenden Voraussetzungen aus den Bereichen “Konfliktbewältigung” oder “Friedenssicherung” erfüllen:
- Zustände aufzeigen
- Ursachen darstellen
- Lösungsansätze vorschlagen.
Über einen Konferenzenzyklus werden jährlich die wesentlichen Beiträge vorgestellt und vertieft.
Periodische eigene, bzw. gezielte Veröffentlichungen in Medien sollen die Aufgabenstellung mit ihren Ergebnissen in die Öffentlichkeit tragen und die Akteure zur Mitarbeit anregen.
Begleitende Medienarbeit ist Aufgabe des Leitungsteams.
Eine Bibliothek, ausgestattet mit Schrifttum und audiovisuellen Medien sollte den Akteuren konkret und übers Internet zur Verfügung stehen.


3. STUDIENGANG

Der neue akademische Studiengang könnte sich mit Bezug zu beiden Hauptthemen wie folgt gestalten:
* Kurse
* Seminare
* Gruppenarbeiten
* Projektstudium und Projektarbeiten
* Untersuchungen für EU-Bedürfnisse
* Gastvorlesungen
* Videokonferenzen mit Gastprofessoren im In- u. Ausland
* Statistische Erhebungen
* Praktikas
* Forschungsaufgaben
* Prüfungen nach der Art der Vor- bzw. Hauptdiplomprüfungen in der BRD
* Diplomarbeit / Dissertation
Auch könnte mittelfristig an ein Auslandsstudium, Fernstudium gedacht werden.
4. SCHWERPUNKTBEREICHE (Beispiele)
Ein Ansatz könnte der sein, von den “Werten” auszugehen, welche den Individualgestalten und den Soziogestalten aus ihrer Kultur, Religion, Zivilisation oder anderen Bezügen zugrunde liegen und ihr Verhalten wesentlich mitbedingen. Dabei wäre auch das unterschiedliche Verständnis von “absoluten” bzw. von “relativen” Werten einzubeziehen.
Die Herkunft der “Würde”, des “Selbstwertes” wären zu hinterfragen und die daraus resultierenden Erkenntnisse methodisch umzusetzen, zumal Würde und Selbstwert grundlegend sowohl bei Individualgestalten als auch bei Soziogestalten die Fähigkeit zu gesunder Konfliktbewältigung und Friedensfindung konditionieren.
Die Frage, inwieweit der Mensch gleichzeitig sowohl “Individuum” als auch “Zelle der Gemeinschaft” ist, könnte zu Lösungsansätzen im Sinne der Aufgabenstellung führen. Der Resignation des Individuums, seinem Gefühl von chancenlosem Ausgeliefertsein sollte die Erkenntnis entgegengestellt werden, dass Individuen, insbesondere wenn sie sich vernetzen, sehr wohl zur Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft beitragen können.
Die Themen “Angst”, “Macht”, “Recht”, “Hunger”, “Konkurrenz / Kreativität, als Motoren von Entwicklung”, “Demokratie-Entwicklung”, “Fundamentalismen / Terrorismus”, “Kapital-Allmacht”, “Börsensysteme / Geldflüsse”, “Arbeitswelt / Arbeitsplatzmigration”, “Regionales Wirtschaften”, “Erziehungssysteme” erscheinen Schlüsselthemen zur Aufgabenstellung zu sein.
Das “Komplizierte”, das “Große” als mehr oder weniger komplexe Vernetzung von “Einfachem” zu betrachten, könnte, nach dem Motto “das Wesentliche ist einfach” ein zielführender Ansatz sein, der Angst vor der Zukunft mindert und Mut zu vernetztem Handeln macht.
Ein weiterer Ansatz könnte der sein, das duale Denken in “Gegensätzen” dem offenen Denken in “Unterschieden” gegenüberzustellen und daraus im Sinne der Aufgabenstellung Schlüsse zu ziehen.
Der Einfluß von körperlichem Wohlbefinden und von Sexualität auf die Friedfertigkeit von Individualgestalten und von Gemeinschaften wäre einzubeziehen.
Die Einsicht, dass wir uns als Menschheit in einem steten Prozess der Weiterentwicklung (vor 500 Mio Jahren begann das Leben als Einzeller) befinden, dass derzeitiger Anspruch auf Vollkommenheit deshalb nicht adäquat ist, dass Fehlleistungen häufig durch diesen Entwicklungsprozess bedingt sind, könnte zu mehr Toleranz und damit zu mehr Friedfertigkeit führen.
Ein weiterer möglicher Ansatz zu zielführenden Abläufen könnte darin bestehen, alles sich verändernde Sein auf die drei Entitäten “Energie E”, “Information I” und “Kommunikation C” bezogen zu betrachten.
Energie “E”, verstanden als das an sich chaotische Potential zur Veränderung”; Information “I” verstanden als das “In die Form bringen” der Energien, die zum Gestalt-Werden führt “; Kommunikation “C”, verstanden als das miteinander in Beziehung treten der Gestalten, das “Gemeinschaft bilden”.
Dabei wird davon ausgegangen, daß alles sich verändernde Sein vom Zusammenspiel dieser drei Entitäten in den einzelnen Gestalten bedingt wird. Bei diesem Ansatz wird von dem Axiom ausgegangen, dass der Zustand von E / I / C einer Individualgestalt oder einer Soziogestalt deren Chancen zur Konfliktbewältigung und damit zur Friedenssicherung wesentlich konditioniert.

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